Medienberater helfen bei der Vermarktung von losen Flanschen

Roland Wucherer nahm den Auftrag an. Wucherer – seines Zeichens gefeierter Medienberater – wurde von der mittelständischen Firma Stiebig-Stahl aufgesucht, um sie in ihren Werbemethoden zu beraten und gegebenenfalls bei dem Entwurf einer entsprechenden Werbekampagne mitzuwirken. Natürlich hatte man sich an Roland Wucherer gewandt, weil er einer der Besten seines Fachs war.

Er stand in dem Ruf ein Meister der medialen Beeinflussung zu sein. Wen er gewollt hätte, dann könnte er sogar den Eskimos Lust auf Schnee machen. Somit war Roland Wucherer genau der Mann mit der richtigen Kragenweite für die Leute bei Stiebig-Stahl. Man wollte dort ganz neue Wege gehen, weg von der Großpackung und hin zum Stückverkauf. Doch wie musste man einem Kunden einen einzelnen losen Flansch schmackhaft machen? Um solche und ähnliche Fragen zu klären, richtete man sich an den Experten auf diesem Gebiet – an Roland Wucherer. Insbesondere ging es dabei um einen TV Spot, der die Vermarktung ankurbeln sollte.

Roland Wucherer machte schnell eines klar: Wenn man ein solches Produkt verkaufen will, dann muss man einerseits den praktischen Nutzen hervorheben und andererseits den Vorgang einer Reparatur als freudiges, gewinnbringendes Ereignis darstellen. Man müsste die Arbeiter-Mentalität im männlichen Zuschauer wecken. So ginge es, laut Aussage Roland Wucherers, weniger darum irgendwelche perfekten Armaturen in der Werbung zu zeigen. Viel mehr sei es wichtig, dass der Ernstfall und dessen feierliche Bewältigung gezeigt werden. Es entstand schließlich ein Werbespot, bei dem man einen Heimwerker dabei zusah, wie er mit einer Überwurfmutter aus dem Hause Stiebig sein Problem löste. Er zog sie fest, rüttelte noch einmal überprüfend am bombenfesten Ergebnis. Die exzellente Überwurfmutter hielt natürlich. Versonnen und zufrieden lächelnd blickte der Mann auf das Ergebnis und packte wieder lässig die Zange weg. Man sah einen Mann, der genau das tat was er zu tun hatte. Und er hatte dazu genau das Teil, was er dazu brauchte. Zufrieden verlässt der Mann den Heizungskeller. Danach ein Close up auf die frisch montierte Überwurfmutter. Im Hintergrund hört man derweil das leichte Rauschen des Wassers, das ohne Probleme durch die Leitung rauscht.

Dieser Werbespot löste einen wahren Run auf Einzelteile für Armaturen aus. Aufgrund der horrenden Nachfragen stiegen die Edelstahlpreise auf den höchsten Stand seit 50 Jahren. Die Berichte von besorgten Hausfrauen, die ihre Ehemänner dabei erwischten wie diese die heimischen Armaturen sabotierten, nur um sie anschließend reparieren zu dürfen, mehrten sich erheblich. Die Seite rofi.de stürzte aufgrund der riesigen Nachfrage nach Einzelteilen beinahe ab und erhielt einen weiteren eigenen Server, um den zusätzlichen Traffic (Datentransfer) zu tragen. Lose Planschen waren schon nach kurzer Zeit aus, sodass die Arbeiter kaum damit hinterher kamen, die neuen Teile so schnell zu fertigen, wie sie ausverkauft wurden.

Monate später waren im ganzen Land Selbsthilfegruppen entstanden, in der sich schwer Reparatursüchtige gegenseitig halfen. Die Ausbildungsplätze für Monteure und Heizungsinstallateure waren so gefragt wie nie. Es schien wirklich so, dass Roland Wucherer selbst den Arabern Sand verkaufen könnte, wenn er nur wollte. Stiebig-Stahl war derweil mit zwei Wirtschaftspreisen ausgezeichnet worden und bereits für einen weiteren nominiert worden. Und Roland Wucherer hatte wieder zu tun. Diesmal ging es um einen Auftrag, der eine Werbung für Katzenstreu zum Gegenstand hatte. Nach Abschluss dieses Auftrags wurden es die verlustreichsten Jahre für die Hersteller von sanitären Anlagen ... doch die Klopapier Industrie verzeichnete sonderbarerweise horrende Gewinne.
Ja, Roland Wucherer war wirklich so gut!